Neben den rechtlichen und spielerschutzbezogenen Aspekten stellen sich bei der Nutzung von Online Casinos auch praktische finanzielle Fragen: Muss ich Gewinne versteuern? Wie läuft eine Auszahlung ab? Und was steckt eigentlich hinter den Bonusangeboten? Dieser Beitrag beantwortet die häufigsten Fragen – sachlich, ohne Finanzberatung zu erteilen.
Wichtiger Hinweis Dieser Artikel ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Für individuelle Fragen zur eigenen Steuersituation wird die Konsultation eines Steuerberaters oder Rechtsanwalts empfohlen. |
Steuerliche Behandlung von Glücksspielgewinnen
Die steuerliche Lage für Gelegenheitsspieler in Deutschland ist vergleichsweise klar: Gewinne aus Glücksspielen sind grundsätzlich steuerfrei. Sie fallen unter keine der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes (§ 2 Abs. 1 EStG) und gelten daher als „nicht steuerbar“. Das betrifft Gewinne aus Lotto, Sportwetten, Spielautomaten und Casino gleichermaßen.
Drei wichtige Einschränkungen
Thema | Was gilt? |
Folgeerträge sind steuerpflichtig | Der Gewinn selbst ist steuerfrei – aber Erträge, die mit dem Gewinn erzielt werden, unterliegen der normalen Besteuerung. Wer einen Casino-Gewinn anlegt und daraus Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen erzielt, muss diese als Kapitalerträge bzw. Einkünfte aus Vermietung versteuern. |
Berufsspieler: Gewerbliche Einkünfte | Wer regelmäßig und nachhaltig Gewinne erzielt und seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, kann vom Finanzamt als Berufsspieler eingestuft werden. In diesem Fall sind die Gewinne als gewerbliche Einkünfte steuerpflichtig (§ 15 EStG). Der BFH hat dies für professionelle Pokerspieler bestätigt (Urteil vom 16.9.2015, X R 43/12). |
Schenkungssteuer beachten | Wer einen Teil des Gewinns verschenkt, muss die geltenden Freibeträge beachten. Für Schenkungen an eigene Kinder liegt der Freibetrag bei 400.000 € pro Elternteil. Darüber hinaus fällt Schenkungssteuer an. |
Hinweis zur Anbieterseite: Auf der Seite der Glücksspielanbieter fällt seit 2021 eine virtuelle Automatensteuer von 5,3 % auf den Spieleinsatz an. Diese Steuer wird nicht direkt vom Spieler erhoben, wirkt sich aber indirekt auf die Auszahlungsquoten (RTP) aus, da Anbieter sie in der Regel einkalkulieren.
Auszahlungsprozess und Identitätsprüfung (KYC)
Bei lizenzierten deutschen Anbietern ist eine Auszahlung erst möglich, nachdem die Identitätsprüfung (Know Your Customer, KYC) vollständig abgeschlossen ist. Diese Prüfung ist gesetzlich vorgeschrieben und dient dem Jugendschutz, der Geldwäscheprävention und der korrekten Zuordnung im OASIS-Sperrsystem.
So läuft der Auszahlungsprozess ab
Die Identitätsprüfung erfolgt in der Regel vor der ersten Einzahlung, spätestens aber vor der ersten Auszahlung. Übliche Verfahren sind VideoIdent oder die eID-Funktion des Personalausweises. Nach erfolgreicher Verifizierung kann eine Auszahlung beantragt werden.
Aspekt | Typische Praxis bei GGL-Anbietern |
Verifizierung | KYC-Prüfung per VideoIdent oder eID. Einmalig, vor der ersten Einzahlung oder Auszahlung. |
Zahlungsmethoden | Banküberweisung, Kreditkarte, Sofortüberweisung, PayPal, Klarna – je nach Anbieter. Kryptowährungen sind bei GGL-lizenzierten Anbietern nicht üblich. |
Bearbeitungszeit | In der Regel 1–3 Werktage nach Beantragung. Bei Erstverifizierung kann es länger dauern. |
Auszahlungslimits | Einige Anbieter setzen Mindest- und Höchstbeträge pro Auszahlung. Details finden sich in den AGB. |
Rückzahlung auf Einzahlungsweg | In der Regel muss die Auszahlung über dieselbe Methode erfolgen, mit der eingezahlt wurde (Anti-Geldwäsche-Vorgabe). |
Wichtig: Anbieter ohne KYC-Prüfung oder mit Auszahlungen ausschließlich in Kryptowährungen erfüllen in der Regel nicht die Anforderungen des GlüStV und operieren außerhalb des regulierten Marktes.
Bonusbedingungen realistisch einschätzen
Viele Online Casinos bieten Bonusaktionen an – etwa einen Willkommensbonus für Neukunden oder Freispiele. Diese Angebote wirken auf den ersten Blick attraktiv, sind aber an Bedingungen geknüpft, die in der Praxis den tatsächlichen Wert erheblich reduzieren können.
Was Umsatzanforderungen bedeuten
Die meisten Boni unterliegen sogenannten Umsatzanforderungen (Wagering Requirements). Das bedeutet: Bevor ein Bonusbetrag oder damit erzielte Gewinne ausgezahlt werden können, muss ein Vielfaches des Betrags in Spieleinsätzen umgesetzt werden.
Rechenbeispiel Ein Bonus von 50 € bei 30-fachem Umsatz bedeutet: 50 × 30 = 1.500 € müssen in Spieleinsätzen umgesetzt werden, bevor eine Auszahlung möglich ist. Bei einem durchschnittlichen RTP von 95 % gehen statistisch ca. 75 € an den Anbieter zurück – der ursprüngliche Bonus von 50 € wird dadurch mehr als aufgezehrt. |
Worauf bei Bonusangeboten zu achten ist
Kriterium | Worauf achten? |
Umsatzfaktor | Je niedriger, desto realistischer. Umsatzanforderungen von 30× bis 40× sind üblich. Alles darüber macht eine Auszahlung sehr unwahrscheinlich. |
Zeitlimit | In der Regel müssen Umsatzbedingungen innerhalb von 7 bis 30 Tagen erfüllt werden. Nach Ablauf verfällt der Bonus. |
Spielbeiträge | Nicht alle Spiele tragen gleichmäßig zum Umsatz bei. Oft zählen Slots zu 100 %, während Tischspiele (sofern verfügbar) nur 10–2 % beitragen. |
Maximalgewinn aus Bonus | Manche Anbieter begrenzen den Betrag, der aus Bonusguthaben ausgezahlt werden kann – unabhängig vom tatsächlichen Gewinn. |
Bonusguthaben ≠ Echtgeld | Bonusguthaben und Echtgeld werden getrennt verwaltet. Erst nach Erfüllung der Umsatzbedingungen wird Bonusguthaben zu auszahlbarem Geld. |
Bonusangebote sind kein „geschenktes Geld“. Sie sind ein Marketinginstrument der Anbieter und sollten entsprechend nüchtern betrachtet werden. Wer die Bedingungen nicht vorab liest und versteht, riskiert Enttäuschungen bei der Auszahlung.
Einzahlungslimits: Die monatliche Obergrenze
Der GlüStV sieht ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 € vor, das über das LUGAS-System anbieterübergreifend durchgesetzt wird. Dieses Limit gilt für alle lizenzierten Online-Glücksspielangebote zusammen – nicht pro Anbieter.
Seit September 2023 besteht die Möglichkeit, das Limit auf Antrag und unter Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit zu erhöhen (bis zu 10.000 € monatlich). Eine Erhöhung wird erst nach einer Wartefrist von sieben Tagen wirksam. Eine Absenkung des Limits hingegen greift sofort.
Einordnung: Das Einzahlungslimit ist eine Spielerschutzmaßnahme, die verhindern soll, dass Spieler innerhalb kurzer Zeit finanziell schädliche Summen einsetzen. Es ist kein Budget-Tipp, sondern eine gesetzliche Obergrenze.
Zusammenfassung
Für Gelegenheitsspieler sind Glücksspielgewinne in Deutschland steuerfrei. Folgeerträge wie Zinsen oder Mieteinnahmen aus investierten Gewinnen sind jedoch ganz normal steuerpflichtig. Auszahlungen bei lizenzierten Anbietern erfordern eine abgeschlossene KYC-Prüfung und dauern in der Regel 1–3 Werktage. Bonusangebote sollten vor Annahme kritisch geprüft werden – die Umsatzbedingungen machen eine Auszahlung häufig mathematisch unwahrscheinlich.
Für individuelle steuerliche Fragen sollte stets ein Steuerberater konsultiert werden. Dieser Beitrag kann und soll eine solche Beratung nicht ersetzen.
Hinweis Glücksspiel kann süchtig machen. Kostenlose und anonyme Hilfe bietet die BZgA-Hotline: 0800 1 37 27 00. Weitere Informationen und Beratungsangebote: gluecksspiel-behoerde.de |
Quellen und weiterführende Informationen
1. Einkommensteuergesetz (EStG), insb. § 2 Abs. 1 (Einkunftsarten), § 15 (Gewerbebetrieb)
2. BFH-Urteil vom 16.9.2015, X R 43/12 (Besteuerung professioneller Pokerspieler)
3. Glücksspielstaatsvertrag 2021, insb. Einzahlungslimits und KYC-Vorgaben
4. GGL – Informationen zu LUGAS und Einzahlungslimits: gluecksspiel-behoerde.de
5. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): bzga.de
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wird die Konsultation eines Steuerberaters empfohlen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: Februar 2026.
